Silke Leverkühne
"Wasser, Steine und Geröll"
und
Inessa Emmer
„Beyond Sea“
Eröffnung: Freitag, 28. März 2025, 19:00 Uhr
Die Einführung zu beiden Ausstellungen spricht Renate Goldmann
Die Galerie Martina Kaiser freut sich auf gleich zwei Künstlerinnen, die parallel ihre Werke präsentieren werden: Im Hauptraum zeigt Silke Leverkühne in „Wasser, Steine und Geröll“ betörende Landschaftsgemälde. Und im Kabinett gibt die Druckgrafikerin Inessa Emmer in „Beyond Sea“ ihr Debüt mit eindrucksvollen Holzschnitt-Unikaten.
Das Einfangen und Zurückprojizieren von Naturphänomenen und ihrer elementaren Kräfte - dieser Topos ist zum Markenzeichen von Silke Leverkühne avanciert, die Wolken-, Wasser- und Steinformationen in raumgreifende Bildwelten transponiert. Ob Felslandschaften, die sich in stillen Gewässern spiegeln, von Gischten umtoste Klippen oder Gesteinsbrocken in Flussläufen: Die Düsseldorfer Künstlerin erschafft einen so flüchtigen wie beständigen Kosmos, der sowohl die Energie als auch die Zerbrechlichkeit der Natur aufwirft, dabei aber ohne Pathos und romantische Verklärung auskommt.
So erscheinen Felsen, Steine und Geröll wie autarke Wesen, deren konnotierte Selbstverständlichkeit im Naturraum zur erhabenen Selbstbehauptung im Bild wird. Womit sie zu gleichsam lebendigen Protagonisten reifen, die völlig losgelöst vom Anthropozän existieren und fortbestehen.
Mit einer kompositorisch höchst ausgefeilten Kolorierung - wo mal kühle, mal warme Farben in kühnen Nuancen schillern oder sich über die Bilddiagonale gar zu einem Pas de deux zusammenfinden - und einer virtuosen Lichtführung gipfeln die Gemälde trotz ihres Abstraktionsgehalts und kleiner Störfaktoren in einer fast irrealen Klarheit. Dass nichts verborgen bleibt und „ist, was es ist“, ist auch dem sichtbaren Pinselduktus geschuldet, der den Malprozess transparent und nachspürbar macht – und darüber hinaus einen starken Rhythmus erzeugt. Silke Leverkühnes Bilder sind eine Partitur aus Farbe und Licht, aus Dramatik und Unaufgeregtheit, aus Selbstverständlichkeit und Außergewöhnlichkeit, wo die Bildwirkung sich über die reine Motivik erhebt. Die Künstlerin tritt vor den eigentlichen Motiven zurück, fühlt und denkt sie neu – und zitiert damit die Theorie des Kunsthistorikers und Philosophen Gottfried Boehm vom „ikonischen Logos“, der die Wirklichkeit eigenständig deutet. In dieser malerischen Wirklichkeit haben Wasser, Steine und Geröll eine ebensolche Berechtigung in der Welt zu sein wie der Mensch oder das Tier, weshalb ihnen Silke Leverkühne die gleiche Würde und Tiefe zukommen lässt wie allem Lebendigen.
Dabei arbeitet sie mit Eitempera, einer halbfetten Maltechnik, die ein großes Spektrum an Zwischentönen ermöglicht und essenziell für die Lichtwirkung in ihren Bildern ist. Durch die hohe Materialität von Pigmenten wird zudem eine haptische Ebene erreicht, die den emotionalen Gehalt der Werke um sinnlich erfahrbare Komponenten ergänzt. Der Blick geht somit über den Bildinhalt, das formal Dargestellte, hinaus und fordert uns auf das Ikonische zu denken. Und das Glück nicht allein in der sichtbaren Ästhetik, sondern in der tieferliegenden Wahrheit des Werks zu finden. (Yorca Schmidt-Junker)
Silke Leverkühne (*1953) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte sowohl an der Accademia de Belle Arti in Florenz als auch an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie 1978 als Meisterschülerin von Alfonso Hüppi abschloss. Bis 2003 hatte sie mehrere Gastprofessuren inne. Von 2004-2020 war sie als Professorin für künstlerische Praxis mit dem Schwerpunkt Malerei am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln tätig.
Ihre Werke wurden u.a. in der Kunsthalle Rostock, dem Kunstpalast Düsseldorf, im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal, im Gropius Bau Berlin sowie in Museen in Japan, China und Namibia gezeigt. Dauerhaft vertreten ist sie im Leopold-Hoesch-Museum Düren und im Kunstpalast Düsseldorf, zudem in renommierten Corporate Collections wie der Sammlung Deutsche Bank/Frankfurt, Sammlung Bayer/Leverkusen und dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz in Berlin.