Fragmente aus verlorenen Tagen

 In ihrem neuen Zyklus bezieht Vanessa Oppenhoff sich auf das Gedicht „Fragmente aus verlorenen Tagen“ aus Rainer Maria Rilkes Lyriksammlung „Das Buch der Bilder“. Ihre mal schonungslos direkten, mal liebevoll ironischen Bildwelten erinnern in ihrem stark zeichnerisch geprägten Stil und mit ihrer hohen narrativen Dichte an Graphic Novels - gründen bei genauem Hinsehen jedoch auf einer einzigartigen Mischtechnik, bei der die Motive ihre Werdung Nadel und Faden verdanken. Dabei bilden Vanessa Oppenhoffs gestickte Tier- und Menschenfiguren nicht zuletzt aufgrund der Titelzuschreibungen einen Rückbezug auf Rilkes epochales Gedicht, das von Verwandlung, Vergänglichkeit und Neuentstehung handelt. Und damit eine Parabel zu den Geschehnissen der letzten zwölf Monate darstellt, die im Zeichen der Corona-Pandemie standen. Aber auch von Bewegungen wie „Black Lives Matter“ geprägt wurden. Womit Vanessa Oppenhoff uns hier ihre künstlerische Reflexion über diese Phänomene und ihre persönliche Aufarbeitung dieser Zeit präsentiert.

Dafür entnimmt die Kölner Künstlerin Rilkes Werk einzelne Zeilen und unterzieht sie der metaphorischen Analyse, um sie dann in so ätherische wie humorvolle Kontexte zu übersetzen. So wird die Passage „Im blauen Treibhaus wo die Lüfte logen“ motivisch zu einer Porträtreihe von Krankenschwestern materialisiert, die sich, mit Maske bewehrt, anmutig und kämpferisch zugleich geben. Und somit dem „blauen Treibhaus“, also der Isolation des Krankenhauses, und der „lügenden Luft“- den gefährlichen Aerosolen – trotzen.

„Die Gnade eines frühen Strahles“ manifestiert sich in zwei Kassiererinnen, die zum Sinnbild für unsere eingeschränkten Sozialkontakte werden. Ist der Gang zum Supermarkt für viele von uns doch das Highlight des Tages. Es ist dieser Witz, dieser spielerische Charme, der die Arbeiten von Vanessa Oppenhoff so anziehend macht. Und Rilkes Ansatz von Verwandlung und Neuentstehung bildlich virtuos fortzuführen weiß.  

„Dass etwas draußen groß ist und ergrimmt“ schreibt Vanessa Oppenhoff betörend diffusen, teils bewaffneten Menschenansammlungen zu, die auf „Black Lives Matter“ verweisen. Womit sie der Vereinigung, die von der Kunstzeitschrift Monopol 2020 überraschenderweise zum wichtigsten Akteur der Kunst- und Kulturwelt geadelt wurde, ihren eigenen Tribut zollt. Und einmal mehr beweist, dass Rilkes Gedicht, rund 120 Jahre nach seiner Entstehung, als perfekte Blaupause für die Vorgänge und Entwicklungen der Jetztzeit dient und somit ungebrochene Relevanz besitzt. 

Parallel zu den Bildern werden die Videoarbeit „Desert Break“ sowie das Fotowerk „Portrait of Lovers“ zu sehen sein.

Yorca Schmidt Junker, 2021


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