Daniel & Geo Fuchs

Fragile Realities

Im Rahmen der DC – Open Galleries 2022  

Die Galerie Martina Kaiser freut sich auf eine ganz besondere Premiere: Erstmals werden Daniel & Geo Fuchs ausgewählte Arbeiten in den Räumen der Galerie präsentieren. Und uns mit „Fragile Realities“ einen einzigartigen Einblick in ihr Werk gewähren, das Ende September auch Teil der Ausstellung „Wonderwalls“ im NRW-Forum Düsseldorf sein wird.

Im Fokus von „Fragile Realities“ stehen drei Werkzyklen des Künstlerpaars, die trotz ihrer unterschiedlichen Thematiken ein verbindendes Element aufweisen und dabei hochaktuell sind. Denn es geht um die Zerbrechlichkeit unserer Welt; was hier exemplarisch am Natursujet, artifiziellen Paralleluniversen und geheimnisumwobenen (Un)Orten veranschaulicht wird. Die Fotografie ist dabei weniger kategorisches Genre, als ein Vehikel für die konzeptuell angelegte Arbeit von Daniel & Geo Fuchs. So betrachten sie sich auch nicht als Fotografen, sondern vielmehr als Künstler, die das Medium der Fotografie nutzen, um ihre Ideen und Konzepte zu materialisieren. 

Tatsächlich muten die Werke der „Nature & Destruction“-Reihe, die im Hauptraum ausgestellt sind, dann auch wie Landschaftsgemälde an. Doch trotz der auf den ersten Blick realistischen Darstellung von Berg- und Wasserpanoramen stellen sich alsdann Irritationsmomente ein: Die Farben von Felsformationen und Waldreihen wirken in ihren Schattierungen surreal, die Physiognomie von Steilwänden und Berggipfeln stellt sich als gestaucht dar. Gipfel verjüngen sich zu Nadelspitzen, Details weisen einen inszenatorischen Duktus auf und scheinen der Wirklichkeit enthoben. Genau hier, in diesem von Daniel & Geo Fuchs aufgeworfenen Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion, zwischen vollendeter Ästhetik und Manipulation, beginnt die Auseinandersetzung mit dem Werk, wo das Schöne fokussiert, dann jedoch gezielt verfremdet wird, um es der Hinterfragung anheim zu geben. Diese Dialektik aus Schönheit und Zerstörung, die sowohl dem Menschen als auch der Natur eigen ist, prägt das gesamte Werk des Künstlerpaars – und stellt hier unseren Wahrhaftigkeitsanspruch von „Natur“ in Frage. Denn jedes Abbild beruht auf Künstlichkeit und stellt damit bereits einen Akt der Aneignung, der Umdeutung und Übergriffigkeit dar. Und bringt uns einmal mehr dazu, über die Fragilität des Daseins sowie unserer Vorstellung von Realität nachzudenken.

Diese Erfahrung durchlebt man auch beim Betrachten der „Toygiants“-Serie im Kabinett. Hier haben Daniel & Geo Fuchs ikonische Spielzeugfiguren der privaten Sammlung Selim Varol abgelichtet, die sie wahlweise im Stil der berühmten Porträts von Thomas Ruff präsentieren, in Gruppen arrangieren oder in ironischen Inszenierungen im ewigen Kampf von Gut gegen Böse antreten lassen. Wieder ist es das Ausloten von Realität, das hier zum Tragen kommt, wenn Plastikfiguren mit Persönlichkeit aufgeladen werden, Geschichte umschreiben bzw. neu erfinden oder sich in stiller Eintracht solidarisieren. Die Scheinwelt erfährt ihre Einbettung in die vermeintlichen Realitäten des humanen (Kunst)Kosmos – und erzeugt damit spielerisch, ganz im Sinne des Wortes „Spielzeug“, neue Wirklichkeiten.

Ihr Interesse für das Archivarische, Gesammelte und Unentdeckte zieht sich wie ein roter Faden durch das Œuvre von Daniel & Geo Fuchs und manifestiert sich nirgendwo schlüssiger als im „Stasi – secret rooms“-Zyklus. 2004 begonnen, haben die Künstler geheime, lange verborgene Orte des vormaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR aufgespürt und fotografiert. Die Ästhetik der Aufnahmen kollidiert dabei ganz bewusst mit dem Wissen um das Unrecht, das hier geschehen ist. Erneut beleuchten Geo und Daniel Fuchs die Ambivalenz von Schönheit, die hier das Grauen impliziert, und zeigen Räume als Zeitkapseln, wo geheimes Wirken über Jahrzehnte seine Spuren hinterlassen hat. Passend zum Kontext des Verborgenen werden ausgewählte Arbeiten der „Stasi – secret rooms“-Reihe im Lager der Galerie gezeigt. Wo sich ihre Wirkung nochmals potenziert. (Yorca Schmidt-Junker)

 

„Fragile Realities“ begleitet die Gruppenausstellung „Wonderwalls“ im NRW-Forum Düsseldorf (30.09.2022 - 05.02.2023), für die Geo und Daniel Fuchs mit ihren Toygiants einen ganzen Museumsraum bespielen werden. Weitere Infos sind unter www.nrw-forum.de/ausstellungen/wonderwalls zu finden.

Daniel (*1966) & Geo (*1969) Fuchs leben in Deutschland und arbeiten auf der ganzen Welt. Ihre Werkreihen, die stark konzeptuell ausgerichtet sind und einer langen Recherche und Vorbereitung unterliegen, nehmen oft viele Jahre in Anspruch; weshalb Zeit ein wichtiger Faktor in ihrem Werk ist. Sie verstehen es meisterhaft Nischen in Form von geheimen Archiven, Sammlungen und Orten zu thematisieren und so im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern wie z.B. mit „Conserving“ (ab 1998). Internationale Bekanntheit errangen sie mit der „Famous Eyes“-Reihe (ab 2000), wo sie die Augen von Künstlerkolleg*innen wie Louise Bourgeois, Andreas Gursky, Sophie Calle u.v.m. abgelichtet haben.

Ihre Werke sind in zahlreichen internationalen Sammlungen zu finden und wurden u.a. bereits im Ludwig Museum Budapest, im Pori Art Museum Finnland, in der Nikolaj Kunsthal Kopenhagen, dem Museo de Bellas Artes Santander Spanien, im Andy Warhol Museum Pittsburgh, in der Kunsthalle Wien, den Kunstsammlungen und Museen Augsburg, im Haugar Vestfold Kunstmuseum Tonsberg, Norwegen, im Fotografins Hus-Contemporary Photography Exhibition Hall Stockholm, im FOAM Fotografiemuseum Amsterdam, Städtische Galerie Wolfsburg, in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main sowie in der Villa Stuck München gezeigt


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